Es war der 29. Juni 1872, als Bernhard Moisl mit seinen Musikanten den ersten öffentlichen Auftritt als Musikkapelle Laussa absolvierte. Von den weiteren Gründungsmitgliedern sind nur einige Familiennamen, wie Ehrenhuber, Haidinger, Kupfinger, Peyerl, Schönleitner und Zechmeister bekannt. Musiziert wurde damals hauptsächlich bei kirchlichen Anlässen.

Als im Jahr 1890 Bernhard Moisl sein Amt als Kapellmeister zurücklegte, übernahm der Kirchenmusiker Josef Erb diese Funktion. Erb, der auch viele neue Musiker ausbildete, leitete die Musikkapelle bis zum Jahr 1922. Als Nachfolger wurde Hubert Obereigner bestellt. Dieser beendete seine Funktion als Kapellmeister mit dem Jahr 1930. Ganze 40 Jahre, bis 1970 war anschließend Hermann Pranzl als Kapellmeister tätig.

Lange Zeit waren die jeweiligen Kapellmeister nicht nur mit der musikalischen Leitung, sondern auch mit der Organisation der Musikkapelle betraut. Als im Jahr 1935 die Bildung des Musikvereines beschlossen wurde, übernahm der Lehrer Max Potrebujes als erster Vereinsobmann die administrativen Tätigkeiten für die Musikkapelle.

Mit dem 2.Weltkrieg begann auch für die Musikkapelle eine schwere Zeit. Instrumente wurden zeitweise beschlagnahmt und den Musikern nur für bestimmte Auftritte zur Verfügung gestellt. Einige der von Oberlehrer Max Potrebujes gut ausgebildeten, jungen Musiker starben als Soldaten. Kapellmeister Pranzl, der während seines Militäreinsatzes zeitweise von Hubert Obereigner vertreten wurde, schaffte es aber mit viel Idealismus die Musikkapelle auch während des Krieges weiterzuführen. Doch auch in der Nachkriegszeit gab es für den unermüdlichen Kapellmeister viele Herausforderungen zu bewältigen. Eine der wichtigsten Aufgaben in dieser Zeit war für die nur mehr 16 Mann starke Kapelle wohl das Bemühen um musikalischen Nachwuchs.

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Als einer der aktivsten Musiker seiner Zeit sei hier Josef Felbauer (Scherscher) erwähnt. Im Jahr 1946 trat er der Musikkapelle bei und war am 1.Flügelhorn und zwischendurch auch am Tenorhorn bis zu seinem Ausscheiden eine der tragenden Säulen der Musikkapelle Laussa.

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1952 Musikfest

Anlässlich der Generalversammlung am 10. Juli 1960 übernahm Johann Brandner (Brückler) von dem nach Steyr übersiedelten Volksschuldirektor Eduard Greisinger die Funktion als Obmann des Musikvereines. Bei dieser Versammlung wurde auch die Anschaffung einer Trachtuniform beschlossen. Dank der großzügigen Unterstützung aus der Bevölkerung konnte die Musikkapelle bereits ein Jahr später das erste Mal in ihrer neuen Tracht auftreten.

Während der Zeit von Hermann Pranzl als Kapellmeister wurde auch das Musikheim errichtet, das im Jahr 1969 feierlich seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt fanden die Musikproben hauptsächlich im Seitenzimmer und in der Gaststube des Gasthauses Sonnleitner statt. Ein großer, antiker Kasten vom Schloss Kogl, der „Musi-Kasten“, diente dabei als Aufbewahrungsort für Noten und Instrumentenzubehör.

Nach vierzigjähriger Kapellmeister-Tätigkeit übergab Hermann Pranzl im Jahr 1970 den Taktstock an Florian Auer. Mit dem erfahrenen, ehemaliger Militärmusiker, Kirchenchorleiter und Musiker bei verschiedenen Tanzmusikgruppen fand die Musikkapelle den idealen Nachfolger für den scheidenden Kapellmeister.

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1974 Firmung in Laussa

Da es zu dieser Zeit noch keine Musikschulen im ländlichen Raum gab, wurden die jungen Blasmusiker, so wie bisher, hauptsächlich vom Kapellmeister ausgebildet. Auch für Florian Auer war daher das Bemühen um musikalischen Nachwuchs ein wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit als Kapellmeister. Durch seinen unermüdlichen Einsatz schaffte er es, die anfangs relativ kleine Musikkapelle jedes Jahr um einige Musiker zu erweitern.

Neben der Neubesetzung des Kapellmeisters erfolgte bei der Generalversammlung am 18. Jänner 1970 auch die Wahl eines neuen Obmannes. Als Nachfolger für Johann Brandner, der in der Musikkapelle auch viele Jahre Tuba spielte, übernahm Adolf Gruber die Funktion des Vereinsobmannes.

Als eine der ersten großen Aufgaben für den neugewählten Obmann und den neuen Kapellmeister stand im Jahr 1972 die Organisation des Musikfestes zur 100-Jahr-Feier mit anschließender Festwoche anlässlich der Ortsplatz-Einweihung auf dem Plan. Die vielen Helfer und die gute Kameradschaft innerhalb der Musikkapelle machten dieses Fest zu einem großartigen Ereignis.

Wenn auch immer wieder Mädchen als Marketenderinnen die Musikkapelle begleiteten, so blieb das Musizieren in der Kapelle doch lange Zeit reine Männersache. Erst nachdem 1981 Maria Gruber (geb. Fellbauer) als Flötistin und erste Frau in die Reihen der Musiker eintrat, begannen nach und nach immer mehr Mädchen in Laussa ein Blasinstrument zu lernen und in der Musikkapelle mitzuspielen.

 

Mit dem ersten Schlosskonzert im Jahr 1981 konnte neben dem schon traditionellen Wunschkonzert ein weiterer Höhepunkt für den musikalischen Jahresablauf geschaffen werden. Leider mussten einige dieser attraktiven, jährlichen Konzerte im Hof des Schloss Kogl nach vielen Vorbereitungsarbeiten oft kurzfristig wegen Schlechtwetter abgesagt werden.

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1982

Das Angebot von Markus Wolfthaler, seine Zimmerei-Halle für eine derartige Veranstaltung zur Verfügung zu stellen, wurde daher von den Musikkameraden mit großer Begeisterung angenommen. Das aus dieser Idee im Jahr 2001 entstandene, jährliche Wolfthal-Fest zählt aufgrund des abwechslungsreichen Musikprogrammes und der hervorragenden Gastronomie mittlerweile zu den erfolgreichsten Veranstaltungen in der Region.

Um den vielbeschäftigten und sehr pflichtbewussten Kapellmeister, Kirchenchorleiter und Tanzmusiker Florian Auer zu entlasten, trat 1985 der Stabführer und ehemalige Flügelhornist Karl Brandstetter für zwei Jahre an die Stelle des Kapellmeisters. Nach Beendigung seiner Kapellmeister-Tätigkeit wirkte Florian Auer aber noch viele Jahre als exzellenter Musiker auf der Tuba und am Tenorhorn in der Kapelle mit.

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1985 Karl Brandstetter mit Ehrendamen

Nach Abschluss seiner Musiklehrer- und Kapellmeisterausbildung übernahm der heutige Kapellmeister Berthold Pranzl im Jahr 1987 die Leitung der Musikkapelle. Nicht zuletzt aufgrund seines Bemühens um musikalischen Nachwuchs umfasst die Musikkapelle heute 55 Musikerinnen und Musiker, wobei das Durchschnittsalter von nur 27 Jahre die gute Jugendarbeit widerspiegelt. Neben der Steigerung des musikalischen Niveaus des Orchesters konnte der neue Kapellmeister auch das Repertoire der Musikkapelle um viele anspruchsvolle Werke erweitern.

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Nachdem sich erfreulicherweise die Anzahl der Musiker seit dem Bau des ursprünglichen Musikheimes mehr als verdoppelt hatte, war eine Erweiterung des Probelokales dringend erforderlich. Dank großzügiger Unterstützung aus der Bevölkerung, vieler Eigenleistungen sowie dem unermüdlichen Einsatz von Bauleiter Karl Brandstetter, Polier Josef Pranzl und Obmann Adolf Gruber konnte in der Bauzeit von 1996 – 1998 ein sehr ansprechendes, zeitgemäßes Probelokal geschaffen werden. Mit einem Festakt und der feierlichen Einweihung wurde das neue Musikheim am 30. August 1998 seinen Bestimmungen übergeben.

Nach 31 arbeitsreichen Jahren beendete Adolf Gruber seine Funktion als Obmann. An seine Stelle trat im Jahr 2001 der bereits seit mehreren Jahren als Kassier tätige Johann Großauer. Leider überschattete eine schwere Krankheit den wohlverdienten Ruhestand von Adolf Gruber. Eine große Trauergemeinde würdigte noch einmal seine Geselligkeit und sein Engagement als im September 2004 die Krankheit über ihn siegte und die Musikkameraden ihren ehemaligen Obmann auf seinem letzten Weg begleiteten.

Von den besonderen Ereignissen, wie Zeltfeste, auswärtige Konzerte, urige Ausflüge, Theateraufführungen und Radiofrühschoppen im Jahr 1998 ist wohl die 2007 durchgeführte Fahrt nach Rom am besten in Erinnerung. Über Vermittlung von Musikschuldirektor Karl Holzner konnte Kapellmeister Berthold Pranzl mit Peter Moser vom Pastoralamt St. Pölten eine fünftägige Reise zwecks musikalischer Umrahmung der Fronleichnamsprozession im Vatikan organisieren. Die vielen Eindrücke, ob beim Platzkonzert am Piazza Navona, beim Musizieren in den vatikanischen Gärten, am Petersplatz und bei der Schweizer Garde oder bei der Besichtigung des antiken Roms ließen diese Reise für alle Beteiligten zu einem besonderen Erlebnis werden.

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Rom 2007

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Rom 2007

Als Stabführer Siegfried Wartecker im Herbst 2010 aus gesundheitlichen Gründen seine musikalische Laufbahn beendete, übernahmen sein Stellvertreter Bernhard Fellbauer und Andreas Forster diese wichtige Funktion.

Dass man beim Musizieren in einer sehr jugendlichen Kapelle auch als erfahrener Musikant jung bleibt, beweist Josef Pranzl. Obwohl er bereits über 50 Jahre in der Musikkapelle spielt und dabei kaum eine Probe versäumt hat, wirkt er als Klarinettist noch immer mit vorbildlichem Einsatz mit und fühlt sich im Kreis der Jugend sichtlich wohl.

Dank der großzügigen Unterstützung durch Bevölkerung und Gemeinde konnte die Neueinkleidung unserer Musikkapelle passend zum 140jährigen Jubiläum verwirklicht werden.

Mit Stolz, aber auch mit Ehrfurcht blickt die Musikkapelle Laussa heute auf ihre langjährige Geschichte zurück und bedankt sich bei allen Gönnern für ihre Unterstützung. Als Kulturträger mit vielen engagierten Mitgliedern ist der Musikverein bereit, auch die Herausforderungen der Zukunft zu meistern und wünscht viel Freude mit schöner Musik.